Erfolgreiche Umsetzung von Bioenergiedörfern in Deutschland – Was sind die Erfolgsfaktoren?

PD Dr. Marianne Karpenstein-Machan, Dr. André Wüste, Prof. Dr. Peter Schmuck

Abstract


Zwanzig Bioenergiedorfprojekte wurden hinsichtlich ihrer Vielfältigkeit in Bezug auf Vorgehensweise bei der Projektumsetzung, der gewählten Anlagenkonfiguration, dem Akteurskreis, der Wirtschaftlichkeit sowie der Wärmepreisgestaltung analysiert, um daraus Schlüsse für eine erfolgreiche Implementierung von Bioenergiedörfern zu ziehen.

Als wichtiges Fazit kann gezogen werden, dass kein Bioenergiedorf in Bezug auf Projekthistorie und Umsetzung dem anderen gleicht und in jedem Dorf individuelle Wege und Lösungen zur Umsetzung des Projektes beschritten wurden. Unterschiede gibt es insbesondere bei der Anlagenkonfiguration und dem Vorhandensein von redundanten Wärmequellen, die zur Versorgungssicherheit beitragen.

Ausgehend von dem Engagement der Akteursgruppen im Dorf (Landwirte, Bürger, Kommune, Investor) unterscheiden sich auch die Betreiberstrukturen und die gewählten Betreibergesellschaftsformen. Die Wärmepreisgestaltung erfolgte nach sehr individuellen, dorfspezifischen Mustern. Die Vollkosten der Wärmeversorgung liegen in allen Dörfern unterhalb der Vollkosten einer fossilen Wärmeversorgung auf Heizölbasis. Im Mittel der Dörfer konnten rund 48 Prozent geringere Wärmekosten eruiert werden. In fast allen Dörfern ist laut Auskunft der Betreiber ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen gegeben, nur in einem Dorf konnte diese noch nicht erreicht werden.

Für eine erfolgreiche Umsetzung von Bioenergiedörfern sind ausreichende landwirtschaftliche Ressourcen, eine kompakte Dorfstruktur, ein geeigneter, konsensfähiger Standort für die Energieanlagen sowie soziale Kompetenzen im Dorf wichtig. Diese sind: eine gute Dorfgemeinschaft; Akteure, die das Vertrauen der Bevölkerung genießen und das Projekt vorantreiben; Gemeindevertreter, die das Projekt unterstützen sowie eine transparente, ergebnisoffene Planung und Umsetzung des Projektes, an der sich die Bürger gestalterisch und finanziell beteiligen können.




DOI: http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i2.21

DOI (Volltext als HTML): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i2.21.g65

DOI (Volltext als PDF): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i2.21.g64