"Energetische Flurbereinigung": Regenerative Energie für eine nachhaltige regionale Energieversorgung und gesteigerte kommunale Wertschöpfung im Kontext eines Flurbereinigungsverfahrens

Nicole Schönleber, Prof. Dr. Enno Bahrs

Abstract


Die Gewährleistung einer sicheren und zukunftsfähigen Energieversorgung in Deutschland ist ein zentrales Ziel der Bundesregierung. In Folge dessen wird in vielen Kommunen die Produktion erneuerbarer Energien verstärkt ausgebaut. In einem Forschungsvorhaben wurde vor diesem Hintergrund untersucht, inwiefern Flurbereinigungsverfahren einen Beitrag zur gesellschaftlich akzeptierten Energiebereitstellung leisten können. Im Rahmen einer energetischen Flurbereinigung gilt es zunächst vorab zu klären, ob und inwieweit regionale Energieautarkie für die Strom- und/oder Wärmeversorgung angestrebt wird. Hierfür ist die gegenwärtige und zukünftige regionale Energienachfrage zu ermitteln und mit den technischen (wirtschaftlichen) Potenzialen der Produktion regenerativer Energien (das heißt, nicht allein der Bioenergie) abzustimmen. Dabei ist die weitere Abstimmung mit anderen regionalen Zielsetzungen, zum Beispiel von Naturschutzzielen, als auch mit verschiedenen Interessengruppen bezüglich Akzeptanz sowie deren Abnahme- und Produktionsbereitschaft von erneuerbaren Energien unentbehrlich. Der energetische Gedanke muss möglichst früh in der Vorbereitungsphase der Flurberei­nigung implementiert werden. Gründe hierfür sind neben der Erörterung günstiger Energiegestehungskosten sowie potenzieller Standorte der Energieproduktion und ein darauf abgestimmtes Flächen-, Wege- als auch (Energie-)Einspeisungsnetz auch die Klärung von Eigentumsverhältnissen, insbesondere bei gemeinschaftlichem Anlagenbau. Die Erweiterung einer Flurbereinigung um die Betrachtung der energetischen Nutzung orientiert sich somit sowohl an privaten als auch an staatlichen Interessen. Hierbei ist das eigentliche Flurbereinigungsverfahren nicht nur mit den Aspekten energetischer Landnutzung zu erweitern, sondern auch an die Orts- und Regionalplanung zu koppeln. Diese entscheidet über den zukünftigen Energiebedarf vor Ort und stellt weitere Energiegewinnungsmöglichkeiten zur Verfügung. In der Summe kann der volkswirtschaftliche Nutzen einer auch energetisch motivierten Flurbereinigung die höheren Kosten im Vergleich zu einer Flurbereinigung ohne Berücksichtigung energetischer Kalküle überkompensieren.



DOI: http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i1.10

DOI (Volltext als HTML): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i1.10.g40

DOI (Volltext als PDF): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i1.10.g52