Kostenkalkulationen verschiedener Szenarien der Initiative Tierwohl im Bereich der Schweinemast am Beispiel eines 1.920er Mastschweinestalls

Sirkka Schukat, Heinke Heise

Abstract


Die Initiative Tierwohl verfolgt den Ansatz, mit Hilfe eines Branchenbündnisses entlang der Wertschöpfungskette Fleisch Verbesserungen hinsichtlich des Tierwohls zu erzielen. Die teilnehmenden Landwirte implementieren Tierwohlmaßnahmen eines festgelegten Kriterienkatalogs in ihren Tierbestand. Um den für den Landwirt entstehenden Mehraufwand hinsichtlich der Kosten zu rechtfertigen, wird ein finanzieller Anreiz geschaffen, indem sie für ihre Teilnahme Ausgleichszahlungen erhalten. Allerdings ist bislang kaum erforscht, ob diese Zahlen ausreichend sind, um die für den Landwirt entstehenden Kosten auszugleichen. Gegenstand des vorliegenden Beitrags ist daher die Kalkulation der Wirtschaftlichkeit für die Initiative Tierwohl 2018 – 2020 im Bereich der Schweinemast für einen 1.960er Mastschweinestall anhand von Leistungs-Kosten-Rechnungen. Konkreter wurden Vollkostenrechnungen gewählt. Der Beitrag knüpft an den Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit der Initiative Tierwohl am Beispiel eines 960er Mastschweinestalls an. Im Zuge dessen wurden je nach Wirtschaftlichkeit des fiktiven Betriebs Szenarien für die einzelkostenfreie Leistung ermittelt, die als Orientierungshilfe für die praktische Landwirtschaft fungieren.
Die Ergebnisse stellen die jeweiligen Leistungs-Kosten-Verhältnisse der unterschiedlichen Pflicht- und Wahlkriterien der Initiative Tierwohl auf Grundlage drei verschiedener Leistungsniveaus dar. Es wird gezeigt, dass die Umsetzung der Pflichtanforderungen 10 % mehr Platz und zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial für alle betrieblichen Leistungsniveaus zu empfehlen ist. Weiterhin eignet sich für Betriebe die Implementierung der Wahlkriterien Pflichtanforderungen und 20 % mehr Platz, Pflichtanforderungen und Scheuermöglichkeit, Pflichtanforderungen und Saufen aus offener Fläche sowie die Pflichtanforderungen und Luftkühlungsvorrichtung. Für ein niedriges Leistungsniveau ist am ehesten die Umsetzung der Pflichtanforderungen sowie Saufen aus offener Fläche zu empfehlen. Gleiches gilt für Betriebe mit mittlerem Leistungsniveau. Für Betriebe mit hohem Leistungsniveau rentiert sich die Umsetzung der Pflichtkriterien sowie das Wahlkriterium 20 % mehr Platz am meisten. Einzig bei den Pflichtanforderungen zuzüglich des ständigen Zugangs zu Raufutter werden auf allen Leistungsniveaus negative Leistungen erzielt, weshalb sich dieses Kriterium nicht zur Implementierung eignet. Es wird deutlich, dass sich die Teilnahme an der Initiative Tierwohl insgesamt für alle betrieblichen Leistungsniveaus rentiert, wobei die wirtschaftliche Rentabilität mit dem Leistungsniveau des betrachteten Betriebs steigt. Für zukünftige Forschungsarbeiten sind weitere Szenarien sinnvoll sowie eine Möglichkeit, sich ändernde, dynamische Schlachtpreise in die Kalkulationen zu integrieren.

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DOI: http://dx.doi.org/10.12767/buel.v97i3.242

DOI (PDF): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v97i3.242.g451