Status quo des Risikomanagements in der deutschen Landwirtschaft: Besteht Bedarf an einer Einkommensversicherung?

Johannes Möllmann, Marius Michels, Cord-Friedrich von Hobe, Oliver Mußhoff

Abstract


Durch zunehmende Markt- und Klimarisiken steigen die zukünftigen Anforderungen an das landwirt-schaftliche Risikomanagement. In der EU erhalten Landwirte staatliche Einkommensunterstützung durch die Direktzahlungen. Allerdings werden diese von verschiedenen Seiten aufgrund ihrer geringen Präzision kritisiert. Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Income Stabilisation Tool (IST) könnte eine Alternative zu den Direktzahlungen sein. In welchem Umfang staatliche Unterstützung überhaupt erforderlich ist, hängt auch von der Risikoexposition und den derzeit eingesetzten Risikomanagementinstrumenten ab. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie zum einen die Risikoexposition und die eingesetzten Risikomanagementinstrumente deutscher Landwirte und. Zum anderen wird die Akzeptanz des IST als Alternative zu den Direktzahlungen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die überwiegend risikoaversen Landwirte Produktpreisrisiken und Risiken durch Trockenschäden als die relevantesten Quellen von Einkommensschwankungen einstufen. Diese Risiken werden hauptsächlich durch Forward-Kontrakte, Lagerhaltung und finanzielle Reserven abgesichert. Wenige Landwirte verwenden Futures-Kontrakte zur Preisabsicherung oder Versicherungen gegen Trockenschäden. Die Akzeptanz des IST sowie die Höhe der akzeptierten Reduktion der Direktzahlungen ohne Nutzenverlust im Austausch für das IST fallen gering aus. Daraus folgt nicht, dass der Status quo der Agrarpolitik in Deutschland in Bezug auf das Risikomanagement und die Direktzahlungen keinen Spielraum für eine Weiterentwicklung bietet. Mögliche Ansatzstellen der Agrarpolitik in Bezug auf Produktpreisrisiken wäre das Verständnis und die Nutzung von Futures-Kontrakten an der Warenterminbörse zu fördern, in Bezug auf Produktionsrisiken wäre die Förderung der Entwicklung von innovativen Versicherungsprodukten (z. B. satellitenbasierte Wet-terindexversicherungen) denkbar. Des Weiteren könnten Versicherungsprämien durch staatliche Unterstützung als Rückversicherer reduziert werden. Aufgrund der hohen Zustimmung zu einer staatlichen Förderung von Umweltleistungen, könnte ein Teil der Direktzahlungen länderspezifisch an die Umsetzung von Umweltmaßnahmen gekoppelt werden.

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DOI: http://dx.doi.org/10.12767/buel.v96i3.217

DOI (PDF): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v96i3.217.g408