Fleischkonsum und Tierhaltung in der aktuellen gesellschaftsethischen Debatte

Clemens Dirscherl

Abstract


Fleischkonsum und moderne Tierhaltung werden zunehmend gesellschaftlich hinterfragt. Der Beitrag zeigt auf, dass dadurch auch eine ethische Legitimation der Landwirtschaft gefordert ist. Dies beinhaltet die Frage nach einer Ethik der Mitgeschöpflichkeit, nach der den Tieren eine eigene Würde zukommt. 

Unter dem Wachstumsparadigma werden auch Massenkonsum und Massentierhaltung kritisch hinterfragt. Als Alternative wird dazu eine Ethik der Selbstbegrenzung propagiert des "Weniger ist mehr", womit auch ein maßvoller Fleischverzehr verbunden ist. Eine Entschleunigung von Produktionsprozessen wird dann auch für die Landwirtschaft gefordert, um die ausschließliche Fixierung auf Leistungseffizienz aus dem modernen System der Tierhaltung herauszunehmen. Unter ökologischem Bezug richtet sich der Blick immer stärker auch auf eine Ethik der Schöpfungsverantwortung, wobei die zunehmende Konzentration von Tierbeständen in Bezug zu ihren ökologischen Folgen gesetzt wird: Gülleüberschüsse mit anfallenden Ammoniak- und Nitratbelastungen, klimarelevante Emissionen aus der Tierhaltung sowie die Intensivproduktion im Futtermittelanbau mit einseitigen Fruchtfolgen und schädlichen Auswirkungen auf das Boden-Ökosystem.

Letztlich ist auch der Fleischkonsum im Hinblick auf seine ökologische Ressourceneffizienz, nämlich dem höheren Einsatz von Wasser, Fläche und Energie in der Diskussion. Ganz spezifisch sind dann die tierethischen Anfragen der Haltung hinsichtlich der Aufstallung, der Belegungsdichte, des Auslaufs, der artgerechten Haltung, des Tiertransports und der Schlachtung. Die Frage einer globalen Flächennutzungskonkurrenz wird nicht nur hinsichtlich der Agroenergiediskussion zwischen „Teller und Tank“ geführt, sondern auch zunehmend zwischen „Teller und Trog“. Damit gerät eine Sozialethik internationaler Verteilungs- und Beteiligungsgerechtigkeit auf den Prüfstand. Solche ethischen Fragestellungen stehen auch in Beziehung zu einer landwirtschaftlichen Berufsethik und verbraucherethischen Orientierung. Darauf reagieren die gesellschaftlichen Akteure in unterschiedlicher Weise, ob von Seiten der Verbraucher, der Fleischwirtschaft, der Landwirtschaft, der Politik und letztlich auch die öffentliche Meinung.




DOI: http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i3.32

DOI (Volltext als PDF): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i3.32.g84

DOI (Volltext als HTML): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v91i3.32.g85