Vergleich von Holstein- und Jerseykühen unter besonderer Berücksichtigung genetisch-physiologischer Unterschiede

  • Wilfried Brade Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover

Abstract

Zusammenfassung Jersey- und Holsteinrinder unterscheiden sich z.T. erheblich in den Milchleistungsmerkmalen und in den funktionellen Eigenschaften, die spezifisch genutzt werden können. Holsteinrinder dominieren die aktuelle Milcherzeugung in Deutschland. Das Jerseyrind (einschließlich Jersey-Kreuzungen) besitzt unter den Bedingungen eines Vollweidesystems besondere Vorzüge, die zukünftig auch in Deutschland stärker zu beachten sind. Die Größe der Deutschen Jerseypopulation reicht nicht aus, ein eigenes Zuchtprogramm zu realisieren. Züchterischen Aktivitäten begründen deshalb die enge internationale Zusammen-arbeit speziell mit Dänischen und US-amerikanischen Jerseyzüchtern. Die Reaktion auf eine erhöhte Kraftfutterfütterung unterscheidet sich zwischen den beiden Rassen signifikant. Der Methanertrag (Methanbildung pro kg Trockenmasse-aufnahme) wird bei Holsteinkühe in einem größeren Ausmaß als bei Jerseykühen gesenkt, wenn der Kon-zentratanteil in der Nahrung systematisch erhöht wird. Dies wird begleitet mit einer signifikant stärkeren Reduktion des Pansenacetat: Propionat-Verhältnisses im Pansensaft der Holstein-kühe im Vergleich zu Jerseykühen. Die Methanbildung pro Einheit energiekorrigierte Milch differiert jedoch nicht zwischen den beiden Rassen. Die Wahl der zu haltenden Rasse/Kombination bleibt betriebsabhängig (Emotionalität, Hal-tungsbedingungen, Futterressourcen, Vermarktung etc.). Der Milchkuhhalter sollte diejenige Rasse/Kombination nutzen, mit der er unter seinen Bedin-gungen am besten zurechtkommt. Die Bedingungen sind nicht gleich, sondern in praxi eben vielfältig.

Autor/innen-Biografie

Wilfried Brade, Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover
Hochschullehrer, Professor für Tierzucht an der TiHo Hannover
Veröffentlicht
2019-11-22
Rubrik
Artikel