Genotyp x Umwelt-Interaktionen in der Milchrinderzüchtung Teil 2: Merkmalsspezifität

  • Wilfried Brade Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover

Abstract

Zusammenfassung Eine Genotyp × Umwelt-Interaktion (GUI) bedeutet, dass Genotypen in unterschiedlichen Umwelten unterschiedlich exprimieren. Dies hat im Wesentlichen folgende Konsequenzen: 1) für verschiedene spezifische (Produktions-)Umwelten können verschiedene optimal produzierende Genotypen gezüchtet werden, und 2) Umweltveränderungen können zu unterschiedlichen phänotypischen Antworten verschiedener Genotypen führen. GUI-Studien basieren entweder auf die Auswertung großer Praxisdaten oder auf experimentellen Versuchsanstellungen. Das Ziel dieser Literaturrecherche ist es, die Existenz und den Umfang von GUI merkmalsspezifisch aufzuzeigen. In Milchrinderzuchtprogrammen sollten GUI für die Ertrags- und Exterieurmerkmale, falls sich die Haltungs-, Klima- und Fütterungsumwelten nicht sonderlich unterscheiden, von untergeordneter Bedeutung angesehen werden. Vergleichsweise wenig ist bezüglich des Vorhandenseins von GUI für Gesundheits- und/oder Merkmale der Futteraufnahme/Futtereffizienz bekannt. Hier deuten erste Untersuchungen auf die Existenz züchterisch relevanter GUI hin. Die (künftige) Etablierung solcher Zuchtprogramme mit konsequenter Einbeziehung von Gesundheitsmerkmalen (z.B. Mastitis) und weiteren funktionellen Merkmalen (z.B. Futteraufnahme) lassen erwarten, dass hier vorhandene spezifische GUI berücksichtigt werden müssen. Wir stehen offensichtlich erst am Anfang spezielle GUI in der Rinderzüchtung konsequent zu erfassen. Dies ist in besonderer Weise unter den Bedingungen des Vorhandenseins sehr differenzierter Milchproduktionssysteme sowie des internationalen Spermahandels (-austausches) anzuerkennen.

Autor/innen-Biografie

Wilfried Brade, Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover
Hochschullehrer, Professor für Tierzucht an der TiHo Hannover
Veröffentlicht
2020-07-02
Rubrik
Artikel