Kohlenstoffzertifizierung in der Agroforstwirtschaft?!

Potentiale, Erfassung und Handlungsempfehlungen

  • Rico Hübner Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung, Technische Universität München (TUM)
  • Christian Böhm Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU)
  • Georg Eysel-Zahl VRD Stiftung für Erneuerbare Energien, Heidelberg
  • Wolfram Kudlich WALD21 GmbH, Uffenheim
  • Ernst Kürsten 3N Dienstleistungen GmbH, Hannover
  • Norbert Lamersdorf Büsgen-Institut Ökopedologie der gemäßigten Zonen, Georg-August-Universität Göttingen
  • Christoph A. Meixner Triebwerk – Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft, Meißner
  • Christopher Morhart Professur für Waldwachstum und Dendroökologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Tobias Peschel Lignovis GmbH, Hamburg
  • Penka Tsonkova Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU)
  • Martin Wiesmeier Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Institut für Agrarökologie Ökologischen Landbau und Bodenschutz (IAB), Freising

Abstract

Die Agroforstwirtschaft wird seit langem dafür geschätzt, dass sie ein großes Potenzial zur Akkumulation und langfristigen Speicherung von Kohlenstoff besitzt, sowohl in der Biomasse als auch im Boden. Der Weltklimarat (IPCC), der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), die Europäische Kommission und das Parlament sehen in der Agroforstwirtschaft ebenfalls eine sehr geeignete Option im Kampf gegen die Klimakrise und bei der Anpassung an ihre Auswirkungen. Von neuerlichem Interesse ist dabei die Finanzierung im Rahmen marktbasierter Instrumente wie Klima- bzw. Kohlenstoffzertifikate. Angesichts der angekündigten EU-Carbon-Farming-Richtlinie, der Fit-for-55-Debatte sowie der Reform der GAP- und LULUCF-Mechanismen besteht ein dringender Bedarf an spezifischen Leitlinien zu Klimazertifikaten bei Agroforst¬projekten und welche Rolle diese in Zukunft spielen können. Das in diesem Artikel behandelten Kohlenstoffreduktionspotentiale der Agroforstwirtschaft und deren Erhebungsmethoden erstrecken sich auf vier Sektoren – vergleichbar mit anderen landnutzungs¬basierten Strategien. 1) die oberirdische Biomasse, 2) die unterirdische Biomasse, 3) der Boden und 4) der vor- und nachgelagerte Bereich. Die Empfehlungen decken zehn häufig diskutierte Themen bzw. Anforderungen ab. Diese sind 1) Zusätzlichkeit, 2) Quantifizierbarkeit, 3) Verschiebungs¬effekte, 4) Beitrag zur Nahrungssicherheit, 5) Zusätzliche Emissionen, 6) Langfristigkeit und Dauer¬haftigkeit, 7) Nachweisbarkeit, 8) Transaktions- und Opportunitätskosten, 9) Synergien und Kompromisse mit anderen Zielen, sowie 10) Sicherheit, Vertrauen und Transparenz. Werden die erarbeiteten Empfehlungen berücksichtigt, kommen die AutorInnen zu dem Schluss, dass die Klimaschutz- und Minderungsleistungen der Agroforstwirtschaft in Form von Kohlenstoff-reduktions¬potenzialen mit Hilfe von Klima- oder Kohlenstoffzertifikaten honoriert werden können und sollten. Einerseits könnte dies eine innovative und vielversprechende Möglichkeit zur Finanzierung zukünftiger Agroforstsysteme werden; Andererseits muss sichergestellt werden, dass die Maßnahmen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Wenn wissenschaftlich fundiert, verlässlich, transparent und ethisch gerecht geplant, besteht eine gute Chance, mit Klimazertifikaten für die Agroforstwirtschaft einen Beitrag zum ehrgeizigen Klimazielprogramm der EU, einer Treibhausgasreduktion von 55 Prozent bis 2030 gegenüber 1990, zu leisten.

Autor/innen-Biografien

Wolfram Kudlich, WALD21 GmbH, Uffenheim

 

 

 

Christoph A. Meixner, Triebwerk – Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft, Meißner

 

 

 

Christopher Morhart, Professur für Waldwachstum und Dendroökologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

 

Tobias Peschel, Lignovis GmbH, Hamburg

 

 

Veröffentlicht
2022-08-10
Rubrik
Artikel