Neue Tierwohl-Forschungsställe für Milchkühe und Möglichkeiten von Adaptionen für die Praxis – eine ökonomische Analyse
DOI:
https://doi.org/10.12767/buel.v104i1.530Abstract
Der „Milchviehstall der Zukunft“ ist als Forschungsstall konzipiert und erfüllt durch die Haltung im Familienverbund, einen Zugang zur Weide und insbesondere ein großes Platzangebot für die Tiere alle Anforderungen an einen Tierwohlstall. Zur betriebswirtschaftlichen Analyse innovativer Stallkonzepte müssen zuerst Forschungsställe in die Praxis adaptiert werden, indem auf die für Forschungszwecke notwendigen Einrichtungen, wie z.B. zur Datenerhebung, -speicherung und -auswertung im Praxisstall verzichtet wird.
In der Analyse wurden vier Varianten verglichen: Variante 1) Adaption des Forschungsstalls an Praxisbedingungen ohne Forschungseinrichtungen, Variante 2) wie Variante 1 mit kuhgebundener Kälberaufzucht aller Kälber bis 16 Lebenswochen; danach Färsenaufzucht in einem separaten Stall, Variante 3) Kompostierungsstall für Kühe ohne Weide und Auslauf; Kälber- und Färsenaufzucht im separaten Stall, und Variante 4) Liegeboxenlaufstall mit Tiefboxen - Schieberentmistung, ohne Weide, mit Auslauf. Die wirtschaftliche Beurteilung berücksichtigt Unterschiede in den Investitionskosten der Varianten sowie weitere durch das Haltungsverfahren beeinflusste Kosten- und Preisfaktoren. Milchviehhaltung, Kälber- und Färsenaufzucht wurden dabei getrennt betrachtet, um Mindestpreise für Milch und Kalbfleisch zu ermitteln und damit Vermarktungsstrategien zu ermöglichen.
Eine Übertragung des Forschungskonzeptes „Milchviehstall der Zukunft“ in die Praxis ist - z.B. in Anlehnung an bereits vorhandene Stalltypen - möglich. Allerdings wäre der Kapitalbedarf um ca. 30 % und damit die jährlichen Kosten um ca. 500 Euro/Kuh p.a. höher als bei einfachen Kompostierungsställen. Die Einstreu der freien Liegefläche mit Hackschnitzeln verursacht höhere Kosten, und die verlängerte muttergebundene Aufzucht reduziert den Milcherlös. Der Verkauf der Kälber deckt diese Kosten nicht vollständig, sodass ein Zuschlag von 0,76 Euro/kg Kalbfleisch erforderlich wäre. Um in der Milchproduktion Break-Even zu erreichen, wäre ausgehend vom durchschnittlichen Marktpreis von 0,43 Euro/kg Milch ein Preiszuschlag von 0,17 Euro/kg Milch für den adaptierten Praxisstall (Variante 1) erforderlich.
Der „Milchviehstall der Zukunft“ als Forschungsstall dient der Untersuchung von Tierwohl sowie der Entwicklung möglicher Verbesserungen des Tierwohls in der Milchviehhaltung. Weitere Effekte, etwa zu alternativer Einstreu oder Konsumentenakzeptanz, lassen sich erst prüfen, wenn der Stall gebaut ist. Dass ein Transfer aus dem Forschungsstall heraus, hinein in die Milchviehbetriebe mit Adaption an Praxisbedingungen unter Kosteneinsparungen und damit eine Annäherung an die Wirtschaftlichkeit erreicht werden kann, konnte mit dieser Studie gezeigt werden.
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