Eine empirische Analyse zum Angebot von Tierwohl-Fleisch in Fleischerfachgeschäften

Wiebke Pirsich, Louisa von Hardenberg, Ludwig Theuvsen

Abstract


Das Ziel dieses Beitrags ist es, einen detaillierten Überblick über das Angebot von Fleisch aus besonders tiergerechter Haltung (Tierwohl-Fleisch) in deutschen Fleischerfachgeschäften zu geben. Aufgrund der bislang fehlenden scharfen Abgrenzung des Begriffs Tierwohl-Fleisch führt dieser Beitrag zunächst in Ansätze zur Definition von Tierwohl sowie in verschiedene Formen des Angebots von Fleisch aus besonders tiergerechter Haltung ein: Tierwohl-Fleisch aus Zertifizierungssystemen, Tierwohl-Fleisch aus Markenfleischprogramme und Tierwohl-Fleisch aus besonders tiergerechter Produktion ohne verbindliche Anforderungen. Den Hauptteil dieser Arbeit bildet eine empirische Untersuchung mit einer Befragung von 119 selbständigen Fleischern zu ihrem Angebot von Tierwohl-Fleisch. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die selbständigen Fleischer sich intensiv mit dem Tierwohl in der Nutztierhaltung auseinandersetzen. Darüber hinaus ist Tierwohl-Fleisch aus besonders tiergerechter Produktion ohne verbindliche Anforderungen bereits ein wichtiger Bestandteil des Sortiments sowohl der selbstschlachtenden als auch der nicht selbstschlachtenden Fleischer. Die Anforderungen, die die Fleischer dabei an die Tierwohlstandards in der Haltung stellen, decken sich in vielen Fällen mit den Anforderungen der Verbraucher. Die Ergebnisse verdeutlichen zum einen die vielfältigen Formen, unter denen Tierwohl-Produkte im Fleischmarkt angeboten werden. Sie zeigen zudem, dass die in der wissenschaftlichen Literatur häufig zitierten 2 % Marktanteil von Tierwohl-Fleisch angesichts der Vielfalt des Angebots kritisch hinterfragt werden müssen. Schließlich lenkt die Untersuchung den Blick auf Fleischerfachgeschäfte als einen Vertriebsweg, der in der Diskussion um Tierwohl-Fleisch bislang nur wenig Aufmerksamkeit erfahren hat. Die Ergebnisse bieten Ansatzpunkte für das betriebliche Management und die Politik, um das Tierwohlsegment im Fleischmarkt weiter auszubauen.


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DOI: http://dx.doi.org/10.12767/buel.v95i2.165

DOI (PDF): http://dx.doi.org/10.12767/buel.v95i2.165.g369